Neuraltherapie nach Huneke

Neuraltherapie 1

Bei der Neuraltherapie werden Lokalanästhetika schmerzarm an definierte Körperstellen injiziert, um körpereigene Regelkreise positiv zu beeinflussen. Der Körper wird auf diese Weise in die Lage versetzt, Selbstheilungsprozesse zu aktivieren und Krankheiten selbst auszuheilen.
Gedanklich geht die Neuraltherapie davon aus, dass sich verschiedenste schmerzhafte Prozesse selbstständig unterhalten. Wird dieser Prozess jedoch durch die Injektion eines Lokalanästhetikums unterbrochen, findet eine Entblockung dieser nerval vermittelten Ursache-Wirkung-Beziehung statt.
Auf diese Weise kann auch ein sogenanntes Störfeld ausgeschaltet werden.

Ein Störfeld ist eine Noxe, die den Körper in seiner kybernetischen Regulierung stört und insbesondere die Ausregulierung die Ordnung störender Reize verhindert.

Als Störfeld kommen nicht nur die bekannten entzündeten Zahnwurzeln, sondern prinzipiell jede veränderte Körperstruktur, wie zum Beispiel innere oder äußere Narben oder chronisch gereizte Gewebestrukturen infrage. Die Störfelder sind in der Regel selbst nicht auffällig, ihre Wirkung entfalten sie häufig in weit entfernten Körperregionen. So kann die primär unauffällige Tonsillennarbe durchaus Rückenschmerzen, die alte Narbe am Sprunggelenk schwere Kopfschmerzen, die Blinddarmnarbe eine Neurodermitis auslösen und unterhalten.
Zu beachten ist dabei die Tatsache, dass potentielle Störfelder über viele Jahre stumm sein können. Kommt der Körper jedoch aufgrund eines weiteren Ereignisses wie Zweitkrankheit, Erschöpfung, Unfall oder z.B. Diätfehler in eine belastende Situation (Zweitschlag), kann dieses Störfeld plötzlich aktiv werden.

Neuraltherapie 2

Krank wird der Körper also erst, wenn er die chronische Herdwirkung nicht mehr abwehren kann oder ein Zweitschlag dazu kommt.

Entdeckt wurde dieser Zusammenhang 1925 von Ferdinand Huneke, als er einer Patientin Procain versehentlich in die Vene statt in den Muskel spritzte. Es kam zu einem "Sekundenphänomen", die schweren, seit Jahren bestehenden Schmerzen waren schlagartig und dauerhaft verschwunden.
Besonders in der Schmerztherapie sind Sekundenphänomene immer wieder beindruckend zu erleben. So erlebten wir einen weinenden Sechzigjährigen, der seine seit fast 40 Jahren stark schmerzhaft eingeschränkte Schulter plötzlich und bis zum heutigen Tag uneingeschränkt und schmerzfrei bewegen kann.

Ein Störfeld kann jedoch auch dazu führen, dass der Organismus gegenüber Regulationstherapien wie z.B. Akupunktur oder Homöopathie weitgehend regulationsstarr wird, d.h., auf die Therapie nicht mehr anspricht. Wenn also eine wiederholte manuelle Therapie oder Regulationstherapie erfolglos bleibt oder eine neuraltherapeutische Behandlung nur für wenige Stunden Schmerzfreiheit bringt, kann man davon ausgehen, dass die Primärstörung nicht das blockierte Gelenk oder die gereizte Kapsel der Schulter selbst ist, sondern dass diese Erscheinung die Folgen der eigentlichen Primärstörung, meist eines Störherdes, darstellt.

Neuraltherapie 3

Aus den Ausführungen ergibt sich ganz klar, dass eine sorgfältige Herddiagnostik und -therapie bei allen chronischen Krankheiten oder "Befindlichkeitsstörungen" sinnvoll sein kann. Neben den chronischen Schmerzen kann auch der chronische Durchfall, die Neurodermitis, die wiederholte (Blasen-) Entzündung oder die Infektneigung störfeldbedingt sein.

Von außen nicht zugängliche innere Störfelder werden über Grenzstrang- oder Ganglienblockaden angegangen. Auch hierbei handelt es sich in der Regel um schmerzarme Injektionen.
Außer gelegentlichen Blutergüssen sind in unserer Praxis in langjähriger Anwendung keine Komplikationen aufgetreten.

Literatur:
Peter Dosch: Lehrbuch der Neuraltherapie nach Huneke, Haug-Verlag
Beate Strittmatter: Das Störfeld in Diagnostik und Therapie, Hippokrates
Ferdinand Huneke: Das Sekunden-Phänomen in der Neuraltherapie, Haug-Verlag

"Nur durch Nutzen kann der Wert einer bedeutenden Erscheinung erkannt werden. Daher geschieht es, dass offenbarte Wahrheit, erst im stillen zugestanden, sich nach und nach verbreiten, bis dasjenige, was man hartnäckig geleugnet hat, endlich als etwas natürliches erscheint."
(J.W. von Goethe)

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